Der Trezor Safe 5 steht dafür, dass Trezor über eine langjährige Kritik hinausgewachsen ist. Jahrelang war Trezors Aushängeschild radikale Offenheit – vollständig quelloffene Firmware, die man Zeile für Zeile inspizieren konnte – gepaart mit einer unangenehmen Schwäche: keinem Secure Element. Der Safe 5 behält die Offenheit und fügt ein Infineon Optiga Trust M hinzu, einen nach Common Criteria EAL6+ zertifizierten Chip, der gerade deshalb gewählt wurde, weil Infineon dessen öffentliche Prüfung ohne NDA erlaubt. Verpackt man das in einen hellen 1,54-Zoll-Farbtouchscreen mit haptischem Feedback, erhält man den bislang ausgereiftesten Trezor, zu einem offiziellen Preis von 129 US-Dollar.
Um zu verstehen, warum das Secure Element wichtig ist, betrachte man die Angriffe, die es beantwortet. 2019 demonstrierte Ledgers Donjon-Labor einen unbehebbaren Seed-Extraktionsangriff auf den Trezor One und Model T und zog den Seed in Minuten mit rund 100 US-Dollar an Ausrüstung heraus, weil das Geheimnis auf einem Allzweck-Mikrocontroller lag. Anfang 2020 zeigte Kraken Security Labs eine Voltage-Glitching-Variante, die rund 15 Minuten und 75 US-Dollar an Hardware benötigte. Beide erforderten physischen Besitz, und eine starke Passphrase milderte sie ab, aber sie waren real und konstruktionsbedingt nicht patchbar. Die Safe-Reihe existiert, um dieses Loch zu schließen.
Das gelingt ihr weitgehend. Das geheime Material wird nun von einem Optiga-Secure-Element statt von einem nackten MCU bewacht, was jene billigen Glitching-Angriffe abwehrt. Der ehrliche Vorbehalt ist, dass das Secure Element selbst quellgeschlossene Infineon-Firmware ausführt – Trezor gibt einem offene Dokumentation und das Recht zur Prüfung, nicht offenes Silizium. Und die Behebung ist kein Zauberschild: Im März 2025 zeigte Ledger Donjon, dass man den Mikrocontroller des verwandten Safe 3 weiterhin glitchen kann, was den Punkt unterstreicht, dass es das Secure Element und nicht der MCU ist, der den Schutz leistet. Das ist eine mehrschichtigere, ehrlichere Sicherheitsgeschichte als zuvor, keine absolute.
Das Alltagserlebnis ist das beste, das Trezor je geboten hat. Der Farbtouchscreen macht die Eingabe von PIN und Passphrase sowie die Adressbestätigung weit angenehmer als die alten Zwei-Knopf-Geräte, auch wenn unabhängige Rezensenten anmerken, dass die Touch-PIN ein paar Versuche brauchen kann und ein Stift hilft. Trezor Suite ist ausgereift und datenschutzfreundlich, unterstützt Shamir Backup zum Aufteilen des Seeds in mehrere Anteile und bewältigt Tausende von Assets. Die rauen Kanten liegen im Mobilbereich – iOS ist auf Ansehen, Empfangen und Kaufen beschränkt, ohne Senden oder Ersteinrichtung – und einige Assets wie Solana-SPL-Token werden in Suite nicht vollständig verwaltet.
Der größte strategische Vorbehalt ist intern: Der Safe 5 ist nicht mehr das Flaggschiff. Im Oktober 2025 brachte Trezor den Safe 7 auf den Markt, rund um Tropic Squares TROPIC01 gebaut und als erstes transparentes, prüfbares Secure Element vermarktet – das, was sich Open-Source-Puristen immer gewünscht haben. Das macht den Safe 5 nicht schlecht; es macht ihn zum Value-Modell unter einem ideologisch reineren Geschwistermodell. (Selbst der Safe 7 ist nicht unbesiegbar: Mitte 2026 wurde eine Laser-Fault-Injection-Schwachstelle in TROPIC01 offengelegt, doch da auf diesem Chip keine Schlüssel gespeichert werden, waren die Mittel nicht betroffen.)
Insgesamt verdient sich der Safe 5 mit klarem Blick eine starke Empfehlung. Er ist offen, wo es zählt, gehärtet, wo er früher weich war, und angenehm zu benutzen, zu einem fairen Preis. Wer speziell die am besten prüfbare verfügbare Hardware möchte, sollte für den Safe 7 budgetieren; wer eine ausgezeichnete quelloffene Wallet möchte und nicht die absolute Spitze der Reihe besitzen muss, für den ist der Safe 5 eines der am leichtesten zu empfehlenden Geräte in diesem Überblick.