Die meisten Menschen denken, dass die Strompreise höher sind, als sie sein sollten. Doch Menschen in Deutschland haben einen guten Grund, schockiert zu sein. Mittlerweile zahlen sie die höchsten Preise in der Europäischen Union.

 


Warum ist Strom teurer geworden?


 

Ein durchschnittlicher Haushalt in Deutschland zahlt dieses Jahr 63,7 % mehr für Energie. Allerdings sind das nur die Glücklichen, die bereits einen bestehenden Vertrag haben. Kunden, die einen neuen Vertrag abschließen, müssen satte 174,3 % mehr bezahlen. Aber warum?

 

Seit 2019 verbringen die Menschen mehr Zeit zu Hause. Homeoffice ist jetzt die Norm. Und die Kombination aus der vielen Zeit, die wir im Haus verbringen, und zwei besonders kalten Wintern bedeutet, dass wir mehr Energie verbrauchen als früher.

 

Doch der Preisanstieg ist nicht nur auf uns Kunden zurückzuführen. Ein großer Teil der Energieversorger ist 2021 pleite gegangen, weil die Zulieferer Verträge abgeschlossen haben, bei denen sie Gas zu einem niedrigeren Preis verkaufen, als es jetzt im Einkauf kostet.

 

Zusätzlich müssen sich die Deutschen mit der Inflation auseinandersetzen. Von Inflation spricht man, wenn die Kaufkraft einer Währung gegenüber den Produktpreisen sinkt. Die Inflationsrate in Deutschland ist im Februar erneut auf 5,3 % gestiegen. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes Destatis hatten die Preise für Energieprodukte einen großen Einfluss auf die Inflationsrate.

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Russland exportiert weniger Rohstoffe


 

Russland ist der größte Gasexporteur der Welt und entscheidet, wie viel Gas wann, wohin und für wie viel Geld geht. Diese Situation ist für Deutschland ohnehin schon schwierig, doch der Krieg zwischen Russland und der Ukraine hat die Energiepreise noch weiter in die Höhe getrieben.

 

Der Hauptgrund dafür ist, dass die Hälfte aller Haushalte in Deutschland mit Gas beheizt wird, das 2021 zu 32 % aus Russland stammt. Aber es ist nicht nur Gas, das Deutschland aus Russland bezieht. Auch 53 % der Kohle und 34 % des Öls kamen 2021 aus Russland.

 

Aber was hat der Krieg in der Ukraine mit deinen Energiekosten zu tun? Deutschland hat das russische Vorgehen verurteilt, Sanktionen verhängt und das große Gaspipeline-Projekt Nord Stream 2 gestoppt. Im Gegenzug exportiert Russland weniger Ressourcen nach Europa. Das treibt die Preise in die Höhe und zwingt Deutschland dazu, seine Energiereserven zu verbrauchen, die auf etwa 30 % gesunken sind.


 

Ein weltweiter Engpass bei der Energieversorgung


 

Wenn ein so wichtiger Anbieter wie Russland beschließt, weniger nach Europa zu exportieren, müssen sich Länder wie Deutschland anderswo umsehen. Aber das ist leichter gesagt als getan, denn nach wie vor benötigen alle Länder der Welt die gleiche Menge an Energie.

 

Die Energieversorger müssen daher nach Ressourcen in anderen Ländern suchen. Dieser globale Engpass an Energie führt jedoch dazu, dass Länder, die normalerweise Ressourcen exportieren, Schwierigkeiten haben, ihren eigenen Energiebedarf zu decken. Deswegen haben Länder wie Indonesien alle Kohleexporte verboten.

 

Da der globale Energiemarkt von einer Handvoll Länder abhängt, die den Großteil der Ressourcen liefern, sorgen politische und wirtschaftliche Entwicklungen wie die Pandemie und der Krieg in der Ukraine für höhere Preise.

 

Aber selbst wenn die Preise so bleiben, wie sie sind, ergreift die deutsche Regierung Maßnahmen in Form von Senkungen der Strompreisaufschläge, einem harten Vorgehen gegen gewinnorientierte Unternehmen und einmaligen Zuschüssen für bedürftige Haushalte. Trotzdem solltest du die höheren Preise in deine monatliche Finanzplanung einbeziehen, damit du später nicht auf den Kosten sitzen bleibst.


 

Was kann ich tun, um mich vor hohen Preisen zu schützen?



Auch wenn wir dir gerne ein Patentrezept gegen hohe Energiepreise geben würden, wird es wohl erst noch schlimmer werden, bevor es besser wird. Hier findest du ein paar Tipps, mit denen du die Zeiten der Krise überstehen kannst:

 

  • Wenn dein alter Anbieter pleite gegangen ist und ein anderes Unternehmen deinen Vertrag übernommen hat, solltest du über einen Anbieterwechsel nachdenken. Nutze Preisvergleichsportale, um ein Angebot zu finden.
  • Der Markt kann sich schnell ändern. Deshalb solltest du nur kurzfristige Verträge abschließen, damit du dich nicht jahrelang an hohe Preise bindest.
  • Finde heraus, welche Geräte am meisten Strom verbrauchen. Manchmal kann es auf lange Sicht günstiger sein, alte Geräte zu ersetzen.
  • Wenn du dein eigenes Haus besitzt, können erneuerbare Energien und neue Technologien die Kosten senken.