Die sogenannten NFTs sahen aus wie etwas, das in Microsoft Paint durch das Schlafen auf der Tastatur entstehen konnte und erregten daher kein großes Aufsehen. Doch plötzlich wurden diese primitiven Bilder für zig Millionen Euro verkauft und NFTs wurden praktisch über Nacht berühmt.

Was sind NFTs?



NFTs sind digitale Non-Fungible Token. Non-Fungible bezeichnet etwas, das einzigartig und unersetzlich ist. Währungen wie der Euro sind dagegen fungible, weil sie immer gleich viel wert sind, es mehr als eine davon gibt und sie deshalb ersetzbar sind.


Da NFTs nicht ersetzbar sind, ändert sich die Situation. NFTs lassen sich ein wenig mit Sammelkarten vergleichen. Stell dir vor, du hast eine einzigartige Sammelkarte. Da es diese Karte nur einmal gibt, kannst du sie nicht gegen exakt die gleiche Karte eintauschen. Wenn du sie gegen etwas eintauschst, bekommst du einfach etwas anderes dafür.


Mit NFTs lässt sich zeigen, dass digitale Objekte rar sind. Generell wird das Objekt dadurch wertvoller, wenn viele Menschen es haben wollen. Außerdem lässt sich damit das Eigentum an digitalen Assets nachweisen. Diese Faktoren machen NFTs zu innovativen Formen digitaler Kunst und Sammlerstücke und spielen eine große Rolle bei der Digitalisierung der Kunstwelt.


NFTs sind digitale Vermögenswerte, die du also nicht in den Händen halten oder in der physischen Welt verwenden kannst. Sie werden über eine sogenannte Blockchain verwaltet, eine Art riesiges digitales Hauptbuch, das Informationen und Transaktionen speichert.


Warum sind NFTs wichtig?



Ähnlich wie beim digitalen Geld gab es auch bei den digitalen Vermögenswerten ein Problem, das ihre Durchsetzung verhinderte: Sobald etwas im Internet war, konnte es kopiert und kostenlos geteilt werden. Jemand konnte Monate damit verbringen, ein unglaubliches digitales Kunstwerk zu schaffen, nur damit es nach seiner Veröffentlichung mit einem Mausklick gespeichert und weiterverwendet werden konnte. Deshalb mussten digitale Güter wie Kunst immer die zweite Geige gegenüber der analogen Kunst in der physischen Welt spielen. Doch NFTs machen es möglich, dies erstmals zu ändern.


Alle NFTs haben identifizierende Informationen, z. B. wann und von wem sie erstellt wurden. Das bedeutet, dass digitale Güter zum ersten Mal einen gleichwertigen Wert- und Echtheitsnachweis wie physische Kunst- und Sammlerstücke haben.


NFTs haben drei wichtige Eigenschaften, die sie zu bemerkenswerten und wertvollen Innovationen machen. NFTs sind nicht teilbar, was bedeutet, dass du die NFTs entweder besitzt oder nicht. Du kannst NFTs nicht teilen oder in Bruchteile zerlegen. Sie sind verifizierbar, und ihre gesamte Existenz – von der Erstellung bis zur Provenienz – ist öffentlich zugänglich. Sie sind außerdem unzerstörbar, weil sie auf der Blockchain-Technologie gespeichert sind. In Blockchains gespeicherte Informationen können nicht gelöscht, bearbeitet oder anderweitig manipuliert werden.


Und was nun?



NFTs sind derzeit ein heißes Thema, weil sie eine enorme Wertschöpfung hervorgebracht haben, wo es bis vor Kurzem noch keine gab. Digitale Kunst, Sammlerstücke und andere Online-Vermögenswerte sind inzwischen heiß begehrt und erzielen Werte in Millionenhöhe.


Künstler können ihre Werke jetzt an ein riesiges neues Publikum verkaufen und Sammler im Gegenzug ihre Werke mit großem Gewinn weiterverkaufen. Auf den ersten Blick wirkt es wie eine Kopie der altmodischen Kunstwelt. Aber bei NFTs gibt es einen Unterschied: NFTs können so programmiert werden, dass der Ersteller des Kunstwerks einen Prozentsatz des Verkaufspreises erhält. Auf diese Weise kann der Sammler mit seiner Investition und der Künstler weiterhin mit seinen Werken Geld verdienen.


Aber es gibt nicht nur Kunst als NFTs. Die sozialen Medien haben die Welt, in der wir leben, neu definiert. So ist es nur normal, dass der allererste Tweet von Twitter-CEO Jack Dorsey für über 20 Millionen Dollar verkauft wurde.


NFTs haben auch einen großen Einfluss auf die Spieleindustrie. Viele der weltweit beliebtesten Spiele sind kostenlos erhältlich, bieten aber immer wieder die Möglichkeit zum In-Game-Kauf. Typische Käufe sind sogenannte Skins, mit denen man das Aussehen des spielbaren Charakters verändern kann, sowie Waffen, Werkzeuge und anderes Zubehör, das den Spielern sowohl einen Vorteil als auch eine herausfordernde Spielumgebung bietet. Anstatt digitale Güter zu schaffen, die alle Spieler ansprechen sollen, könnten einzigartige Produkte neue Wertquellen schaffen und die Finanzierung von Spielen neu definieren.


Was sind die Nachteile von NFTs?



Wie auch bei anderen Aspekten der Blockchain-Technologie sind NFTs schwer zu verkaufen, weil sie anfangs schwer zu verstehen sind. Das ist ein übliches Problem bei allen neuen Technologien, doch das Beispiel Kryptowährungen zeigt, dass sich technische Ideen trotzdem durchsetzen und zum Alltag werden können.


Die Technologie selbst befindet sich jedoch noch in der Entwicklung, und auf dem Weg wird es sicherlich noch einige Stolpersteine geben. Da die Popularität von NFTs in so kurzer Zeit sprunghaft angestiegen ist, müssen wir abwarten, wie die Technologie auf eine so große Nutzerbasis reagiert und ob die Marktinfrastruktur der Nachfrage gewachsen ist.


Die meisten NFTs basieren auf der Ethereum-Blockchain. Die überwältigende Anzahl an Ideen und Nutzern, die auf die Blockchain drängen, führt zu einer Überlastung der Blockchain. Dadurch hat sich ein großes Problem für den fairen und gleichberechtigten Zugang zu NFTs ergeben: hohe Gebühren für die Nutzung von Ethereum. Manchmal kann die Erstellung eines NFT, das sogenannte Minting, Hunderte von Euro kosten. 


Was sind die bekanntesten NFTS?



CryptoKitties gehören zu den ersten NFTs. Obwohl CryptoKitties ihren Höhepunkt noch vor dem Durchbruch von Kryptowährungen Ende 2017 hatten, waren sie so beliebt, dass die Ethereum-Blockchain ein Allzeithoch bei der Anzahl der Transaktionen erreichte.


Cryptopunks kamen ebenfalls 2017 auf den Markt, wurden aber erst ein paar Jahre später richtig bekannt und verkauften sich zu Rekordpreisen. Cryptopunks sind verpixelte Bilder, die vage menschliche Formen zeigen, alle mit einzigartigen Merkmalen oder Aussehen. Einige Punks haben seltenere Eigenschaften als andere und sind daher wertvoller. Cryptopunk #3100, eine blaue Figur mit Stirnband, wurde für 7,58 Millionen Dollar verkauft.


Die Bored Apes sind Teil eines Sets von 10.000 NFTs mit Cartoon-Affen, erstellt von Yuga Labs. Die Affen sind detaillierter als Cryptopunks oder CryptoKitties und haben einzigartige Eigenschaften und bilden anthropomorphisierte Formen von Affen ab. Käufer werden Mitglieder des „Bored Ape Yacht Club“ und haben die Rechte am geistigen Eigentum der Bilder.


Die Erfinder der NFTs haben eindeutig erkannt, dass Sammler eine Schwäche für Tier-Memes haben. Das dürfte die unmittelbare Beliebtheit von Pudgy Penguins erklären, einem Set von 8.888 zufällig generierten NFTs, die pummelige Pinguine in lustiger Kleidung zeigen. Das gesamte NFT-Set war innerhalb von 19 Minuten ausverkauft. 


Was kommt als Nächstes?



Ein Großteil der heutigen Kultur stammt aus Bereichen des Internets, die sich bisher nicht für die Monetarisierung eignen. Da NFTs Produkte, Momente und Güter digital verknappen, werden dank der neuen Technologie wahrscheinlich ganz neue Branchen entstehen. Mit der Weiterentwicklung der Technologie werden NFTs immer benutzerfreundlicher, auch für Menschen ohne Computer- oder Programmierkenntnisse.


Da sie enorme Wertsteigerungsmöglichkeiten bieten, können NFTs ein passives Einkommen ermöglichen, ähnlich wie beim Anlegen von Ersparnissen oder der Nutzung eines Hochzinsplans für die Erträge.


Die Zusammenführung von digitalen und materiellen Assets kann eine Brücke zwischen Investoren schlagen: einerseits sind sie daran gewöhnt, etwas Einzigartiges und Seltenes in der realen Welt zu erwerben, andererseits können sie von dem enormen Wert profitieren, den die NFTs in der digitalen Welt schaffen. Normalerweise wird dabei etwas Materielles mit einem QR-Code verknüpft, der Zugang zu dem minted NFT gewährt.