Bitcoin ist die momentane Spitze der Geldevolution. Aber Bitcoin wurde nicht einfach aus dem Nichts hervorgezaubert. Bitcoin ist das Produkt jahrzehntelanger Überlegungen, Diskussionen und Experimenten.


Die Punks aus der Bay Area


Die Bitcoin-Geschichte geht 1992 los. Damals starteten drei Informatiker eine Mailingliste, um über Kryptografie, Politik, Mathematik und Philosophie zu diskutieren. Diese Mailingliste sollte letztendlich die Welt verändern – aber eins nach dem anderen. Diese Gruppe gleichgesinnter Internetnutzer gab sich einen Namen, die ihre Vision einer technologischen Zukunft widerspiegelte: Cypherpunks.


Cypherpunk ist ein Portmanteau-Wort. Es besteht aus „Cyberpunk“, der Zukunftsvision einer unterdrückerischen, von Computertechnik beherrschten Welt und „Cipher“, einer geheimen Schreibweise von Code in der Kryptografie. Die Cypherpunks haben schon vor fast drei Jahrzehnten verstanden, was den meisten Internetnutzern erst kürzlich klar wurde: Das Internet würde zur Front im Kampf um die Freiheit werden.


Die Cypherpunks erkannten nämlich bereits damals, dass das Internet die einzige transformative Entwicklung der modernen Geschichte sein würde. Sie wussten auch, dass die Regierungen auf der ganzen Welt alles in ihrer Macht stehende tun würden, um das Internet einzuschränken. Die Cypherpunks trauten den Regierungen nicht und schon gar nicht der Art, wie mit ihrem Geld umgingen.


Sie ahnten, dass das Internet, um sein wahres Potenzial zu erreichen, eine Form von Geld brauchen würde, die nicht auf staatliche Unterstützung angewiesen war. Eigentlich bräuchte es sogar eine Art Geld, bei der Regierungen komplett herausgehalten würden. Und hier geht die Geschichte von Bitcoin richtig los.


Die Cypherpunks zerbrachen sich den Kopf darüber, was die perfekte digitale Währung sein könnte. Sie probierten viel aus: B-Geld und BitGold, aber beide waren nur theoretisch möglich und hatten Schwachstellen. Andere Ansätze waren zwar vielversprechend, aber keins der Währungskonzepte konnte das sogenannte Double-Spend-Problem lösen: dass derselbe Token einer digitalen Währung zweimal verwendet wird.


Obwohl diese Vorreiter am Ende nicht erfolgreich waren, legten sie den Grundstein für eine Finanzinnovation, die später die Welt, wie wir sie kennen, erschüttern sollte: Bitcoin.


Satoshi Nakamoto und die Geburt von Bitcoin


In der Vergangenheit wurden revolutionäre Ideen von einem Karren in eine begeisterte Menge geschrien oder mit den spitzen Enden von Bajonetts durchgesetzt. Bitcoin kam in einer Form, die zu seinem damaligen kleinen Publikumszirkel passte: Ein bescheidenes Whitepaper, das 2008 an die Mailingliste der Cypherpunks verteilt wurde.


Das Whitepaper kam von einer mysteriösen Person, die in der Online-Welt als Satoshi Nakamoto bekannt ist. Niemand weiß, ob Nakamoto tatsächlich eine Person oder eine Gruppe von Personen ist. Die einzige Information, die über Nakamotos Identität veröffentlicht wurde, stammt von einem Profil der P2P-Stiftung und besagt, dass er 45 Jahre alt, männlich und aus Japan ist. Aber auch das könnte irreführend sein. Seit über zehn Jahren haben Menschen selbst die dunkelsten Orte des Internets nach Hinweisen auf Nakamotos wahre Identität durchforstet, aber bis heute (2021) blieb er unentdeckt.


Nakamotos Whitepaper trägt den Titel “Bitcoin: A Peer-to-Peer Electronic Cash System”. Ein unscheinbarer Name für eine bemerkensw erte Idee, die die Finanzwelt in ihren Grundfesten erschüttern sollte. In dem Papier wurde der Rahmen für ein Finanzsystem abgesteckt, das weder von Einzelpersonen noch von Organisationen besessen oder kontrolliert werden kann. In diesem Finanzsystem sind keine Banken nötig, um Transaktionen zu genehmigen, keine Grenzen können es eindämmen, niemand kann die zugrunde liegende Technologie manipulieren und am wichtigsten, niemand kann denselben digitalen Token zweimal ausgeben.


Aber das ist noch nicht alles. Bitcoin löste auch das, was die Cypherpunks als eine der größten Bedrohungen für die Weltwirtschaft sahen: die Möglichkeit, endlos Fiat-Währung zu drucken. Bitcoin wurde als Belohnung dafür geschaffen, wenn leistungsstarke Computer komplexe kryptografische Probleme in Echtzeit knacken. Das ist als Mining bekannt. Aber, und das ist der Knackpunkt: Nur 21 Millionen Bitcoin können jemals geminet werden. Nakamoto stellte sicher, dass dieses Limit fest in der DNA von Bitcoin verdrahtet ist.


Was geschah dann?


Der wohl wichtigste Moment der Bitcoin-Geschichte: Im Januar 2009 veröffentlichte Nakamoto die Software zur Erstellung der Währung und minete den ersten im Netzwerk generierten Block. Wie alle Meilensteine in der Welt der Kryptowährungen erhielt er einen passend dramatischen Namen: „Genesis-Block“.

Der erste Empfänger von Bitcoin war der prominente Programmierer Hal Finney, der am 12. Januar 2009 die Software herunterlud und in der weltweit ersten Bitcoin-Transaktion 10 Bitcoin von Nakamoto erhielt.


Nur ein Jahr später wurde Bitcoin zum ersten Mal verwendet, um etwas zu kaufen: Zwei Pizzen von Papa John's zum Preis von 10.000 Bitcoin. Würde man diese Transaktion zu heutigen Bitcoin-Preisen durchführen, wären die beiden Pizzen fast eine halbe Milliarde Euro wert. Der 22. Mai, der Tag des Pizzakaufs, wird von der Kryptowährungsgemeinschaft bis heute als Bitcoin Pizza Day gefeiert. Bitcoin war von Anfang an als Möglichkeit gedacht, es als Geld so zu nutzen, wie man will. Und: Wer bitte steht nicht auf Pizza?


In den frühen Tagen der Kryptowährung hat Nakamoto schätzungsweise rund 1 Million Token geminet. Doch dann tat er etwas, was Millionen von Menschen auf der ganzen Welt seither zu verstehen versuchen: Er verschwand.


Das letzte Mal, dass bekannt wurde, dass er in Erscheinung trat, war am 23. April 2011, als er verkündete: "Ich habe mich anderen Dingen zugewandt." Nakamoto sagte, dass Bitcoin in der Obhut des Kernentwicklers Gavin Andresen und der weiteren Community gut aufgehoben wäre. Er hat sich nie weiter über seinen Grund, Bitcoin hinter sich zu lassen, geäußert.


Die Vorstellung, dass eine dermaßen einflussreiche Person einfach so aus einem Finanz-Ökosystem, das er selbst geschaffen hat, verschwindet, ist für viele Menschen nicht nachvollziehbar. Hinzu kommt, dass wir dank der transparenten Natur von Bitcoin und der Blockchain wissen, dass Satoshi bis zu 700.000 BTC besitzt. Das würde ihn, vorausgesetzt er ist eine reale Person, nach einigen Schätzungen zum 34. reichsten Menschen auf dem Planeten machen.


Seine Bitcoin sind allerdings bis heute unangetastet. Ob Nakamoto an einen fast übermenschlichen Moralkodex gebunden ist oder einfach nur seine Tage damit verbringt, in kaltem Schweiß gebadet auf einen Bildschirm zu starren, auf dem "Falsches Passwort: Ein Versuch übrig" steht, werden wir wohl nie erfahren. Was wir aber wissen, ist, dass eine Idee, die mit einem weitgehend ignorierten Beitrag auf einer Nischen-Mailingliste begann, die Grundfeste der Finanzwelt erschüttert hat.


Die Geschichte von Bitcoin ist revolutionär. Bis jetzt wurden die Menschen in eine Postleitzahlen-Lotterie hineingeboren, bei der ihr Schicksal an ihr Geburtsland und die Gesundheit des darin operierenden Finanzsystems gebunden war. Mit Bitcoin ist es nun für alle Menschen möglich, sich von den Fesseln ihrer Lebensumstände zu befreien und Zugang zu einem globalen Finanzsystem zu bekommen, das ihnen endlich die Kontrolle über ihre finanzielle Zukunft gibt.